Kopfschmerzen können durch Stress, Schlafmangel oder Migräne entstehen. Manchmal sind sie aber auch ein Warnsignal für eine ernsthafte Erkrankung. Wer die verschiedenen Kopfschmerzarten kennt, kann Beschwerden besser einordnen und eine geeignete Behandlung finden.
1. Warum bekommen wir Kopfschmerzen?
Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden des Nervensystems. Fast jeder Mensch erlebt sie irgendwann im Leben. Die Schmerzen können sich jedoch deutlich unterscheiden: Sie können drücken, pochen oder stechen, nur eine Seite oder den ganzen Kopf betreffen und wenige Minuten bis mehrere Tage anhalten.
Das Gehirngewebe selbst besitzt keine Schmerzrezeptoren wie viele andere Körpergewebe. Kopfschmerzen entstehen vielmehr durch die Aktivierung schmerzempfindlicher Strukturen, etwa der Hirnhäute, bestimmter Blutgefässe, Hirnnerven oder Muskeln im Kopf- und Nackenbereich. Auch die Verarbeitung von Schmerzsignalen im Nervensystem spielt eine wichtige Rolle.
Die genauen Mechanismen hängen von der jeweiligen Kopfschmerzart ab. Bei Migräne sind unter anderem die Aktivität des Nervensystems und das trigeminovaskuläre System beteiligt. Beim Spannungskopfschmerz können sowohl die Schmerzwahrnehmung als auch die Verarbeitung von Schmerzsignalen im zentralen Nervensystem verändert sein.
Verschiedene Faktoren können Kopfschmerzen auslösen oder verstärken:
- Schlafprobleme: Zu wenig Schlaf, unregelmässige Schlafzeiten oder eine schlechte Schlafqualität.
- Stress und psychische Belastung: Anhaltende Anspannung, Sorgen und fehlende Erholungsphasen.
- Körperliche Belastung: Langes Sitzen, eine dauerhaft ungünstige Haltung oder Beschwerden im Nacken- und Schulterbereich.
- Alltagsgewohnheiten: Zu wenig Flüssigkeit, ausgelassene Mahlzeiten oder Alkohol.
- Medikamente: Bestimmte Arzneimittel können Kopfschmerzen verursachen. Auch die häufige Einnahme von Schmerzmitteln kann zu zusätzlichen Kopfschmerzen führen.
Wichtig ist: Nicht jeder Kopfschmerz ist stressbedingt oder auf verspannte Muskeln zurückzuführen. Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte zunächst geklärt werden, welcher Kopfschmerztyp vorliegt.
2. Welche Arten von Kopfschmerzen gibt es?
Medizinisch werden Kopfschmerzen grundsätzlich in primäre und sekundäre Kopfschmerzen unterteilt. Bei primären Kopfschmerzen ist der Kopfschmerz selbst die Erkrankung. Sekundäre Kopfschmerzen sind dagegen die Folge einer anderen Erkrankung oder eines anderen Auslösers.
Spannungskopfschmerzen: Ein Gefühl wie ein enger Ring um den Kopf
Der Spannungskopfschmerz gehört zu den häufigsten Kopfschmerzarten. Typische Merkmale sind:
- Ein beidseitiger, drückender oder ziehender Schmerz
- Ein Gefühl, als würde der Kopf von einem engen Band umschlossen
- Meist leichte bis mittelstarke Schmerzen
- Alltägliche körperliche Aktivitäten verstärken die Beschwerden normalerweise nicht deutlich
- Üblicherweise keine ausgeprägte Übelkeit oder Erbrechen
- Manche Betroffene berichten zusätzlich über Beschwerden im Nacken, in den Schultern oder an der Kopfhaut
Spannungskopfschmerzen können gelegentlich auftreten oder sich zu einem chronischen Problem entwickeln. Treten sie an mindestens 15 Tagen pro Monat über mehr als drei Monate auf, kommt ein chronischer Spannungskopfschmerz infrage. Die Bezeichnung bedeutet allerdings nicht, dass die Beschwerden ausschliesslich durch psychischen Stress oder verspannte Muskeln verursacht werden. Vielmehr können unterschiedliche körperliche und neurobiologische Mechanismen beteiligt sein.
Migräne: Mehr als gewöhnliche Kopfschmerzen
Migräne ist eine neurologische Erkrankung und nicht einfach eine besonders starke Form gewöhnlicher Kopfschmerzen. Typische Merkmale sind:
- Mittelstarke bis starke Schmerzen, häufig mit pulsierendem Charakter
- Schmerzen auf einer oder beiden Kopfseiten
- Eine Verstärkung durch alltägliche Aktivitäten wie Gehen oder Treppensteigen
- Häufig Übelkeit oder Erbrechen sowie eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen
- Bei manchen Menschen tritt vor oder während einer Migräneattacke eine sogenannte Aura auf
Eine Migräneattacke dauert bei Erwachsenen typischerweise vier bis 72 Stunden. Da Migräne und Spannungskopfschmerzen unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern, ist eine möglichst genaue Diagnose wichtig.
Clusterkopfschmerzen: Sehr starke, wiederkehrende Schmerzattacken
Clusterkopfschmerzen sind vergleichsweise selten, können aber aussergewöhnlich starke Schmerzen verursachen. Typisch sind:
- Sehr starke, meist einseitige Schmerzen um das Auge, oberhalb des Auges oder an der Schläfe
- Ein tränendes oder gerötetes Auge auf der betroffenen Seite
- Eine verstopfte oder laufende Nase
- Häufig ausgeprägte Unruhe während der Attacke
- Eine einzelne Attacke dauert meist 15 bis 180 Minuten
Clusterkopfschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden, da eine gezielte Behandlung erforderlich sein kann.
Sekundäre Kopfschmerzen: Wenn eine andere Erkrankung dahintersteckt
Kopfschmerzen können auch als Folge anderer gesundheitlicher Probleme auftreten, beispielsweise bei:
- Bestimmten Infektionen
- Kopfverletzungen
- Gefässerkrankungen
- Erkrankungen der Augen oder Zähne
- Bestimmten Erkrankungen im Hals- und Nackenbereich
- Nebenwirkungen von Medikamenten oder übermässigem Schmerzmittelgebrauch
- Seltener bei anderen Erkrankungen innerhalb des Schädels
Allein anhand der Schmerzstelle lässt sich die Ursache nicht zuverlässig bestimmen. Neue oder ungewöhnliche Kopfschmerzen sollten deshalb nicht vorschnell als Verspannung oder Migräne eingeordnet werden.
3. Welche Folgen können wiederkehrende Kopfschmerzen haben?
Die Belastung durch Kopfschmerzen lässt sich nicht allein an der Schmerzstärke messen.
Einschränkungen bei Arbeit und Lernen
Schmerzen können die Konzentration, Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Bei stärkeren Attacken sind alltägliche Aufgaben manchmal kaum möglich.
Schlafprobleme und psychische Belastung
Wiederkehrende Beschwerden können den Schlaf stören und mit Angst, Niedergeschlagenheit oder der Sorge vor der nächsten Attacke einhergehen.
Einschränkungen im Privatleben
Manche Betroffene verzichten auf Sport, soziale Aktivitäten oder gemeinsame Unternehmungen mit der Familie. Auf Dauer kann dies die Lebensqualität deutlich vermindern.
Medikamentenübergebrauch
Wer häufig Schmerzmittel einnimmt, um wiederkehrende Beschwerden zu kontrollieren, kann einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz entwickeln, der die Behandlung erschwert.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist darauf hin, dass Kopfschmerzerkrankungen weltweit eine erhebliche Belastung darstellen. Zu den Folgen gehören nicht nur Schmerzen, sondern auch Einschränkungen im Alltag, eine verminderte Lebensqualität und wirtschaftliche Belastungen.[1] Wiederkehrende Kopfschmerzen sind daher kein Problem, das man dauerhaft einfach hinnehmen sollte.
4. Wann sollte man mit Kopfschmerzen ärztliche Hilfe suchen?
Die meisten Kopfschmerzen sind nicht durch eine unmittelbar lebensbedrohliche Erkrankung verursacht. Bestimmte Warnzeichen müssen jedoch ernst genommen werden.
⚠️ Rasche medizinische Abklärung bei folgenden Zeichen
- Plötzlich einsetzende, extrem starke Kopfschmerzen, die innerhalb kurzer Zeit ihre maximale Intensität erreichen.
- Neu auftretende Lähmungen, Sprachstörungen, Bewusstseinsveränderungen oder andere neurologische Auffälligkeiten.
- Kopfschmerzen zusammen mit Fieber, Nackensteifigkeit oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl.
- Neu auftretende Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung.
- Deutlich zunehmende oder wesentlich andersartige Kopfschmerzen.
- Kopfschmerzen, die durch körperliche Anstrengung, Husten oder Pressen ausgelöst werden.
- Neu auftretende Kopfschmerzen mit Sehstörungen, insbesondere bei plötzlichem Sehverlust.
Bei plötzlich stärksten Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen oder neuen neurologischen Ausfällen sollte sofort medizinische Nothilfe angefordert werden. In der Schweiz lautet die Notrufnummer 144.
Auch ohne akute Warnzeichen empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung, wenn Kopfschmerzen regelmässig auftreten oder die Lebensqualität beeinträchtigen. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen: Notieren Sie möglichst genau, wann die Schmerzen auftreten, wie lange sie dauern, wie stark sie sind, welche Begleitsymptome auftreten und welche Medikamente Sie einnehmen.
5. Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin: Was sagt die Forschung?
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden Kopfschmerzen im Zusammenhang mit dem individuellen Beschwerdebild und dem allgemeinen Gesundheitszustand betrachtet. Je nach Befund können unter anderem Akupunktur und weitere therapeutische Massnahmen eingesetzt werden.
Aus moderner medizinischer Sicht gibt es Hinweise darauf, dass Akupunktur schmerzbezogene Prozesse im Nervensystem beeinflussen kann. Die genauen Wirkmechanismen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt.
Was zeigen Studien aus der Medizinischen Hochschule Hannover?
An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde in einer randomisierten kontrollierten Pilotstudie untersucht, wie sich Akupunktur und medizinische Trainingstherapie (MTT) bei häufig episodischem und chronischem Spannungskopfschmerz auswirken. Insgesamt wurden 96 Erwachsene auf vier Gruppen verteilt: übliche Versorgung, Akupunktur, medizinische Trainingstherapie sowie eine Kombination aus beiden. Die Behandlung dauerte sechs Wochen und umfasste jeweils zwölf Interventionen.[4]
Wichtigste Ergebnisse
- Die Kombination aus Akupunktur und MTT reduzierte die durchschnittliche Schmerzintensität im Vergleich zur üblichen Versorgung signifikant – ein Rückgang von etwa 38 Prozent.
- Bei alleiniger Akupunktur oder alleiniger MTT zeigte sich für diesen Hauptzielparameter kein statistisch signifikanter Vorteil gegenüber der üblichen Versorgung.
- Bei der Häufigkeit der Kopfschmerzen, der Dauer einzelner Episoden und der Schmerzmitteleinnahme ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede.
Eine weitere Studie desselben Forschungsteams untersuchte depressive Symptome, Angst und Lebensqualität. Die Akupunkturgruppe und die Kombinationsgruppe zeigten Verbesserungen bei mehreren dieser sekundären Endpunkte.[5] Die Ergebnisse liefern Hinweise auf mögliche zusätzliche Vorteile, müssen aber im Kontext des Studiendesigns und der begrenzten Teilnehmerzahl interpretiert werden.
Hinweis des Autors: Die wissenschaftliche Grundlage für diese klinische Untersuchung wurde bereits 2019 in einem Studienprotokoll in der Fachzeitschrift Trials veröffentlicht. An dieser Publikation war auch Dr. Lei Jiang als Mitautor beteiligt. Dr. Lei Jiang ist dieselbe Person wie Dr. Changgeng Wei — Letzterer ist ein Pseudonym von Ersterem, was auch bei Google Scholar sichtbar ist. Die Ergebnisse dieser Studie erschienen 2021 und 2023 in Cephalalgia.
Wie kann TCM in die Behandlung integriert werden?
Bei ärztlich abgeklärten Spannungskopfschmerzen kann Akupunktur als Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts erwogen werden. Weitere sinnvolle Massnahmen sind:
- Regelmässige Schlafzeiten und eine ausreichende Erholung.
- Bewegung und die Vermeidung lang anhaltender, ungünstiger Körperhaltungen.
- Gezieltes Training oder Physiotherapie, sofern dies zum Beschwerdebild passt.
- Die Beobachtung möglicher Auslöser mithilfe eines Kopfschmerztagebuchs.
- Ein verantwortungsvoller Umgang mit Schmerzmitteln in Absprache mit einer medizinischen Fachperson.
NICE-Leitlinienempfehlung
Die britische Leitlinie des NICE empfiehlt, bei chronischem Spannungskopfschmerz eine Behandlung mit bis zu zehn Akupunktursitzungen über fünf bis acht Wochen in Betracht zu ziehen.[3] Dabei handelt es sich um eine Empfehlung zur vorbeugenden Behandlung chronischer Spannungskopfschmerzen, nicht um eine pauschale Empfehlung für sämtliche Kopfschmerzarten.
Bei Anfang TCM Praxis legen wir Wert darauf, die Beschwerden und die individuelle Situation unserer Patientinnen und Patienten sorgfältig zu verstehen. Zunächst muss geklärt werden, ob eine medizinische Untersuchung oder eine andere Behandlung erforderlich ist. Anschliessend kann beurteilt werden, ob Akupunktur als ergänzende oder eigenständige therapeutische Massnahme sinnvoll ist.
Wer regelmässig unter Kopfschmerzen leidet, muss sich nicht einfach mit den Beschwerden abfinden. Eine passende Diagnose, ein besseres Verständnis möglicher Auslöser und eine evidenzorientierte Behandlung können dazu beitragen, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Verwandte Indikationen
Alle Indikationen ansehen →Wissenschaftliche Quellen
- World Health Organization (WHO). Migraine and other headache disorders. 24 October 2025. WHO Fact Sheet
- International Headache Society. International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). ICHD-3
- National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Headaches in over 12s: diagnosis and management. Guideline CG150. NICE CG150
- Schiller J, Kellner T, Briest J, et al. The best from East and West? Acupuncture and medical training therapy as monotherapies or in combination for adult patients with episodic and chronic tension-type headache: study protocol for a randomized controlled trial. Trials. 2019;20:623. DOI:10.1186/s13063-019-3700-1
- Schiller J, Niederer D, Kellner T, et al. Effects of acupuncture and medical training therapy on depression, anxiety, and quality of life in patients with frequent tension-type headache: A randomized controlled study. Cephalalgia. 2023;43(1). DOI:10.1177/03331024221132800 · PubMed:36622877
