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Menopause Rating Scale (MRS):
Wechseljahresbeschwerden sichtbar machen

Autorin: Dr. Li Zhenjing·Rezension: Dr. Wei Changgeng·11. September 2026

„Irgendwie fühle ich mich nicht mehr wie früher."

So beschreiben viele Frauen die Zeit rund um die Wechseljahre. Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Herzklopfen, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit oder Beschwerden an Muskeln und Gelenken können plötzlich zum Alltag gehören. Manche Frauen leiden vor allem unter Hitzewallungen, andere unter Schlafproblemen oder psychischen Beschwerden. Bei wieder anderen stehen urogenitale Beschwerden oder Veränderungen der Sexualität im Vordergrund.

Zwei entscheidende Fragen:

Doch wie stark sind diese Beschwerden tatsächlich?

Und noch wichtiger: Verändern sich die Beschwerden im Verlauf einer Behandlung?

Genau hier kann die Menopause Rating Scale (MRS) helfen. Die MRS ist ein standardisierter Fragebogen zur Erfassung der subjektiven Beschwerden während der Wechseljahre. Sie ist kein diagnostischer Test für die Menopause, sondern ein Instrument, mit dem die Stärke der Beschwerden und deren Veränderung im Verlauf dokumentiert werden können.

Wie ist die Menopause Rating Scale entstanden?

Die Geschichte der MRS beginnt in Deutschland. Anfang der 1990er-Jahre entwickelten deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein standardisiertes Instrument, mit dem Beschwerden von Frauen in der Menopause systematischer erfasst werden konnten. Die ursprüngliche Version wurde anschließend methodisch weiterentwickelt. Eine wichtige Standardisierungsstudie aus dem Jahr 1996 untersuchte 500 Frauen im Alter von 45 bis 60 Jahren. Die statistische Analyse zeigte, dass sich die erfassten Beschwerden sinnvoll in drei Bereiche einteilen lassen. Daraus entstand die heute international bekannte Menopause Rating Scale II (MRS II).

Die Grundidee ist einfach: Nicht nur feststellen, ob ein Symptom vorhanden ist, sondern auch erfassen, wie stark es die betroffene Frau belastet.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde die MRS in zahlreiche Sprachen übertragen und in verschiedenen Ländern und Kulturen wissenschaftlich untersucht. Heute wird sie insbesondere in der klinischen Forschung und zur Beurteilung von Veränderungen menopausaler Beschwerden eingesetzt.

11 Fragen für ein komplexes Thema

Die MRS II besteht aus insgesamt 11 Symptomen. Jedes Symptom wird von der Patientin selbst hinsichtlich seiner Stärke bewertet:

0keine Beschwerden1leichte Beschwerden2mäßige Beschwerden3starke Beschwerden4sehr starke Beschwerden

Damit kann ein Gesamtscore von 0 bis maximal 44 Punkten entstehen. Je höher der Wert, desto größer ist die subjektiv wahrgenommene Belastung durch die erfassten Beschwerden. Die 11 Symptome werden drei Bereichen zugeordnet.

1.

Somatisch-vegetative Beschwerden

  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche
  • Herzbeschwerden
  • Schlafstörungen
  • Muskel- und Gelenkbeschwerden

Diese Symptome gehören zu den Beschwerden, die viele Frauen besonders deutlich mit den Wechseljahren verbinden.

2.

Psychische Beschwerden

  • Depressive Stimmung
  • Reizbarkeit
  • Ängstlichkeit
  • Körperliche und geistige Erschöpfung

Gerade diese Beschwerden werden im Alltag manchmal übersehen oder anderen Ursachen zugeschrieben.

3.

Urogenitale Beschwerden

  • Sexuelle Beschwerden
  • Beschwerden beim Wasserlassen
  • Vaginale Trockenheit

Dieser Bereich ist besonders wichtig, wird aber nicht immer offen angesprochen.

Was bedeutet ein hoher MRS-Wert?

Ein hoher MRS-Wert bedeutet zunächst einmal: Die Frau erlebt ihre menopausalen Beschwerden als stärker belastend. Dabei sollte der MRS-Wert jedoch nicht als „Schweregrad der Menopause" missverstanden werden.

Die MRS misst nicht den Hormonspiegel.

Sie diagnostiziert keine bestimmte Erkrankung.

Und sie kann auch nicht allein entscheiden, welche Behandlung notwendig ist.

Es handelt sich vielmehr um ein patientenbezogenes Instrument zur Erfassung der subjektiven Symptomatik. Genau darin liegt eine seiner Stärken. Denn zwei Frauen können medizinisch betrachtet dasselbe Symptom haben und es trotzdem völlig unterschiedlich erleben.

Warum ist die zweite Messung oft wichtiger als die erste?

Stellen wir uns eine Patientin vor, die zu Beginn einer Behandlung einen MRS-Gesamtwert von 18 Punkten hat. Einige Wochen später liegt ihr Wert bei 10 Punkten.

Vorher

18

→

Nachher

10

„Ich fühle mich deutlich besser." — jetzt auch messbar dokumentiert.

Der MRS macht damit eine Veränderung sichtbar. Das ist besonders für die Verlaufskontrolle interessant. Der Fragebogen kann beispielsweise zu Beginn einer Behandlung als Ausgangswert eingesetzt und später wiederholt werden. So kann man beobachten:

  • Wie war die Situation vor der Behandlung?
  • Welche Beschwerden haben sich verändert?
  • Welche Bereiche sind weiterhin belastend?
  • Hat sich die Gesamtbelastung verbessert?

Dabei gilt jedoch: Eine Veränderung des MRS-Scores beweist für sich allein nicht, warum sich die Beschwerden verändert haben. Für eine medizinische Beurteilung müssen immer der individuelle Verlauf, die Behandlung und weitere klinische Informationen berücksichtigt werden.

Von Deutschland in die internationale Forschung

Eine interessante Geschichte der MRS ist ihre internationale Verbreitung. Das Instrument wurde ursprünglich in Deutschland entwickelt und standardisiert. Später entstanden Versionen in zahlreichen weiteren Sprachen. Dabei geht es bei einer medizinischen Skala nicht einfach darum, einzelne Wörter zu übersetzen. Ein Fragebogen muss auch in einer anderen Sprache und Kultur verständlich und zuverlässig funktionieren. Deshalb wurden verschiedene Sprachversionen der MRS wissenschaftlich untersucht und hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit und Gültigkeit überprüft. Auch im chinesischen Sprachraum wurde die MRS wissenschaftlich untersucht.

Ein standardisiertes Instrument muss nicht überall identisch erlebt werden – aber es muss zuverlässig messen, was es messen soll.

Kann die MRS auch in der TCM eingesetzt werden?

Ja. Und gerade hier kann die MRS eine interessante Ergänzung darstellen.

Die Traditionelle Chinesische Medizin betrachtet Wechseljahresbeschwerden nicht ausschließlich anhand einzelner Symptome. In der TCM werden Beschwerden im Zusammenhang mit dem individuellen Muster der Patientin betrachtet und beispielsweise durch Anamnese, Zungen- und Pulsdiagnostik sowie eine entsprechende Musterdiagnostik (辨证) eingeordnet. Das Ziel ist eine individuell angepasste Behandlung. Die MRS verfolgt dagegen einen anderen Ansatz — sie stellt die Frage: Wie stark erlebt die Patientin ihre Beschwerden – und wie verändert sich diese Belastung im Verlauf?

TCM-Diagnostik

Beantwortet die Frage: Wie ist das individuelle Muster der Patientin — und welche Behandlung passt dazu?

MRS-Messung

Beantwortet die Frage: Wie stark ist die Symptombelastung — und wie hat sie sich im Verlauf verändert?

Die TCM kann dazu beitragen, die individuelle Symptomkonstellation und das therapeutische Vorgehen zu bestimmen. Die MRS kann anschließend helfen, die subjektiv wahrgenommene Veränderung standardisiert zu dokumentieren. Damit entsteht eine Verbindung zwischen individueller TCM-Diagnostik und standardisierter Ergebnismessung. Auch in wissenschaftlichen Untersuchungen zu Akupunktur und anderen TCM-bezogenen Behandlungen von Wechseljahresbeschwerden wurde die MRS als Outcome-Instrument eingesetzt.

MRS und Akupunktur: Was kann die Skala zeigen?

Bei einer Akupunkturbehandlung kann die MRS beispielsweise zu Beginn und nach einer definierten Behandlungsphase eingesetzt werden. Nehmen wir an, eine Patientin berichtet zunächst über:

  • häufige Hitzewallungen
  • Schlafstörungen
  • starke Müdigkeit
  • innere Unruhe
  • Gelenkbeschwerden

Die MRS kann diese Beschwerden systematisch dokumentieren. Nach mehreren Behandlungen wird der Fragebogen erneut ausgefüllt. Vielleicht haben sich vor allem die somatisch-vegetativen Beschwerden verbessert, während Schlaf und psychische Belastung weiterhin relevant sind. Das liefert eine zusätzliche Information für das Behandlungsgespräch: Nicht nur „geht es besser?", sondern „was genau hat sich verändert?" Die MRS ersetzt dabei keineswegs die individuelle Anamnese oder die TCM-Diagnostik — sie ergänzt sie.

Welche Bedeutung hat die MRS für die Rehabilitationsmedizin?

Auch aus Sicht der Rehabilitationsmedizin ist die MRS interessant. Denn Rehabilitation betrachtet Gesundheit nicht ausschließlich anhand einzelner biologischer Parameter. Entscheidend ist auch, wie Beschwerden die Aktivität, Teilhabe, körperliche Belastbarkeit und Lebensqualität beeinflussen. Bei Wechseljahresbeschwerden können sich verschiedene Faktoren gegenseitig verstärken:

Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche
↓
Schlechter Schlaf
↓
Tagesmüdigkeit und Erschöpfung
↓
Weniger körperliche Aktivität
↓
Zunehmende körperliche Beschwerden
↓
Weitere Beeinträchtigung von Stimmung und Lebensqualität

Wenn man nur die Anzahl der Hitzewallungen betrachtet, bleibt ein Teil dieser Zusammenhänge unsichtbar. Die MRS erfasst dagegen verschiedene Symptomdimensionen gleichzeitig. In einem rehabilitativen Konzept kann sie deshalb gemeinsam mit anderen Instrumenten eingesetzt werden, beispielsweise zur Beurteilung von Schlaf, Lebensqualität, körperlicher Aktivität oder funktionellen Einschränkungen.

MRS ist kein Diagnoseautomat

Trotz ihrer Einfachheit sollte die MRS nicht falsch verstanden werden. Sie ist:

✗ kein Hormontest
✗ kein Diagnosetest
✗ kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung
✗ keine Therapieempfehlung

Ein MRS-Wert sagt nicht, welche Behandlung eine Frau benötigt. Er kann aber dabei helfen, die individuelle Beschwerdebelastung sichtbar und im Verlauf vergleichbar zu machen.

Eine hilfreiche Analogie

Man könnte die MRS mit dem Armaturenbrett eines Autos vergleichen. Die Behandlung ist die Fahrt. Die Ärztin oder der Therapeut entscheidet gemeinsam mit der Patientin, wohin die Reise geht. Die MRS zeigt auf dem Armaturenbrett, was sich während dieser Reise verändert.

Warum solche Fragebögen für Patientinnen wichtig sind

Am Ende geht es nicht um eine möglichst hohe oder möglichst niedrige Zahl. Die entscheidenden Fragen lauten:

  • Wie geht es der Frau selbst?
  • Welche Beschwerden belasten sie am meisten?
  • Was beeinflusst ihren Schlaf?
  • Was beeinträchtigt ihre körperliche Aktivität?
  • Was verändert ihre Stimmung?
  • Und was hat sich nach einer Behandlung tatsächlich verbessert?

Gerade deshalb spielen sogenannte Patient-Reported Outcomes (PROs) in der modernen Medizin eine zunehmend wichtige Rolle. Die Perspektive der Patientin wird dadurch selbst zu einem Teil der Behandlungsevaluation. Für TCM, Akupunktur und Rehabilitation eröffnet dies eine interessante Möglichkeit: Individuelle Behandlung und standardisierte Verlaufskontrolle müssen keine Gegensätze sein. Die eine beschreibt den individuellen Menschen. Die andere macht Veränderungen sichtbar.

Und am Ende sollte die wichtigste Frage nicht lauten:

„Wie hoch ist Ihr MRS-Score?"

sondern:

„Hat sich Ihr Leben dadurch verbessert?"

Verwandte Indikationen

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Referenzen

  1. Potthoff P, Heinemann LA, Schneider HP, Rosemeier HP, Hauser GA. Menopause-Rating-Skala (MRS II): Methodische Standardisierung in der deutschen Bevölkerung. Zentralbl Gynakol. 2000;122(5):280-6. PMID: 10857215
  2. Sourouni M, Zangger M, Honermann L, Foth D, Stute P. Assessment of the climacteric syndrome: a narrative review. Arch Gynecol Obstet. 2021;304(4):855-862. PMID: 34231082
  3. Pandey A, Karki C, Shrivastava VR, Shrestha D, Gautam P. Study of Menopausal Symptoms using Menopause Rating Scale at a Tertiary Care Center. JNMA J Nepal Med Assoc. 2020;58(230):725-728. PMID: 34504370
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  5. Chiu HY, Pan CH, Shyu YK, Han BC, Tsai PS. Effects of acupuncture on menopause-related symptoms and quality of life in women in natural menopause: a meta-analysis of randomized controlled trials. Menopause. 2015;22(2):234-44. PMID: 25003620
  6. Martin CM, Larroy C, López-Picado A, Fernández-Arias I. Accuracy of the Menopause Rating Scale and the Menopause Quality of Life Questionnaire to discriminate menopausal women with anxiety and depression. Menopause. 2019;26(8):856-862. PMID: 31124913